
Der Konflikt um die Schulplätze an Konstanzer Gymnasien spitzt sich zu. Nachdem einige Konstanzer Kinder erst direkt von Humboldt- und Ellenrieder-Gymnasium abgewiesen wurden, hat das Regierungspräsidium Freiburg (RP) nun Ablehnungen bestätigt. Die Konstanzer Eltern ärgern sich über die undurchsichtige Abweisungspraxis. Manche Familien wollen klagen.
Die Debatte um die Abweisung von Konstanzer Kindern an zwei Gymnasien erreicht eine neue Stufe: Nun wollen Familien gegen ihre Abweisung klagen. Der Andrang auf Humboldt- und Ellenrieder-Gymnasium ist so groß, dass beide Schulen nicht alle Kinder aufnehmen können. Dass dabei in der Schweiz lebende Kinder aufgenommen werden, Konstanzer Schüler aber abgewiesen wurden, ärgert die Eltern. Die Schulleiter begründen dies damit, dass sie vor allem Geschwisterkinder nehmen und solche, die nah an der Schule wohnen oder aus Konstanzer Grundschulen kommen. Dass Humboldt- und Ellenrieder-Gymnasium aber auch in der Schweiz lebende Kinder angenommen haben, die keine Geschwister an der Schule haben, findet eine betroffene Mutter „unschön“. „Die in Konstanz lebenden Kinder sollten Vorrang haben“, sagt sie. Ihr Mann und sie wollen nun gegen die Abweisung klagen.
Auch Michael Breuninger geht vielleicht rechtlich gegen die Entscheidung des Regierungspräsidiums vor. Seine Tochter möchte von der Grundschule Wollmatingen auf das Humboldt-Gymnasium wechseln. Doch vergangenen Samstag hat das RP seinen Widerspruch gegen die Abweisung des Humboldt abgelehnt, weil das Kind in der Nähe der Geschwister-Scholl-Schule wohnt. „Für mich als Inhaber des Café Marktstätte, dessen Lebensmittelpunkt in der Innenstadt ist, wäre es eine große Erleichterung, wenn unsere Tochter am Humboldt zur Schule gehen könnte“, so Breuninger.
Die Schulleiter stehen trotz der Kritik weiter zu ihrer Schülerauswahl. Jürgen Kaz, Leiter des Humboldt-Gymnasiums, sagt: „Wir halten uns an die rechtlichen Rahmenbedingungen. Der Eindruck, dass die Schulleiter hier einen politischen Handlungsspielraum haben, ist falsch.“ Auf den SÜDKURIER-Hinweis, dass er als Rektor doch aber sagen könnte: Erst alle Konstanzer Kinder und wenn noch Platz ist, auch gerne auswärtige, sagt Kaz: „Das mögen die politisch Verantwortlichen entscheiden. Für mich gibt es nicht Deutsche erster und zweiter Klasse.“ Zum Vorwurf aus der Elternschaft, die aus der Schweiz kommenden Kinder würden nur deshalb angenommen, weil ihre Eltern eine einflussreiche Stellung bekleiden, sagt Kaz: „Das ist schlichtweg lächerlich.“ Peter Beckmann, Leiter des Ellenrieder-Gymnasiums, sagt ganz offen: „Wenn ein Kind mit der Grundschulempfehlung einer Konstanzer Schule kommt, prüfe ich nicht, ob es in der Schweiz wohnt.“
Bürgermeister Claus Boldt findet es dagegen nicht richtig, dass Konstanzer Kinder zu Gunsten von in der Schweiz lebenden Deutschen abgewiesen werden. Er hat aber auch Verständnis für die Schulleiter: „Die sind in einer schwierigen Lage, weil es keine eindeutige Vorschrift gibt.“ Boldt ist aber überzeugt: „Wenn das RP klar sagen würde, dass erst die Konstanzer Kinder an ihrer Wunschschule unterkommen, hätte jeder, der an eine Schule in der Innenstadt will, einen Platz.“ In diese Richtung denkt auch Nicola Voigt, Vorsitzende des Konstanzer Gesamtelternbeirats. „Wer in die Schweiz zieht, hat keinen Anspruch mehr auf einen Platz an einer deutschen Schule“, sagt sie und ergänzt: „Diese ganze Debatte hätten wir nicht, wenn genügend Schulraum da wäre. So kann man in Konstanz nicht damit rechnen, an seiner Wunschschule unterzukommen.“
Trotz ihres Ärgers wollen einige Eltern nicht länger kämpfen. Eine Mutter sagt, ihre Tochter freue sich nun auf die Geschwister-Scholl-Schule, auch wenn sie eigentlich ans Ellenrieder wollte. Die Mutter ist nur nicht damit einverstanden, wie mit den Eltern umgegangen wird. Auch Michael Breuninger sagt: „Schule und RP fahren die Verzögerungstaktik.“ Nun bleibe kaum Zeit zu klären, auf welche Schule die Kinder gehen, deren Eltern den Widerspruch aufrecht erhalten. „Wir werden vom RP mit drei Seiten Blabla abgefertigt“, sagt der erzürnte Vater. „Und einen Köder hat die Behörde auch noch ausgelegt“, ergänzt er. Denn wenn die Familien ihren Widerspruch aufgeben, entfallen die 100bis 200 Euro Gebühr. Bis Freitag haben die Eltern Zeit zu entscheiden.
Von Kirsten Schlüter
Für Unmut sorgt auch das Verhalten von deutschen Familien, die in der Schweiz wohnen und ihre Kinder nach Konstanz zur Schule schicken wollen. So meint die Mutter Sylvia Grossmann: “Ich kritisiere die Mitnahme-Mentalität der Familien, die aus Steuergründen (wozu auch sonst, wenn sie in Kreuzlingen wohnen) in die Schweiz gezogen sind, aber dann dem Schweizer Schulsystem misstrauen und ihre Kinder lieber nach Konstanz schicken. Das ist ein wenig so wie mit der doppelten Staatsangehörigkeit, von allem eben das Beste herauspicken.”
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Hintergrund: Wirbel um Schweizer Kinder an Konstanzer Schüler

Tausende zusätzliche Sitzplätze in wenigen Jahren, vollkommen neue Orte der Gastlichkeit und ein Preisniveau, das sich der benachbarten Schweiz langsam annähert: Kaum eine Branche in Konstanz hat in den vergangenen Jahren einen ähnlichen Wandel erlebt wie die Gastronomie.
Mehrere hundert Plätze allein in der Bleiche in Stromeyersdorf. Endlich eine offensichtlich dauerhaft tragfähige Nutzung im ehemaligen Offizierscasino am Seerhein. Die neue Hafenmeile mit einer ganzen kleinen Gastro-Landschaft. Konstanz hat in den vergangenen Jahren im Gastgewerbe Kapazitäten aufgebaut, die auch manchen Branchenbeobachtern langsam Sorge bereiten. Andererseits freuen sich die Gäste über eine größere Auswahl und mehr Wettbewerb – wobei vor allem am Abend und im Sommer die Preise noch immer im baden-württembergischen Vergleich überdurchschnittlich sind. Ein echter Preiskampf hat sich lediglich bei den Mittagstisch-Angeboten etabliert – auch das ein Zeichen dafür, dass die Gastro-Branche alle Wege auslotet, ihr Platzangebot so gründlich wie möglich auszunutzen.
Dass die Leistung der Konstanzer Gastronomen das Geld der Gäste im Großen und Ganzen wert ist, beweisen diese Gäste selbst: In vielen Restaurants und Lokalen sind die Tische noch immer gut besetzt. Doch die Branche blickt nicht ohne Sorgen in die Zukunft: Wolfgang Daub, der örtliche Geschäftsführer der Branchenverbands Dehoga, will am Dienstag die Stimmung unter seinen Wirten ausloten. Bei der Vorstandssitzung soll vor allem erörtert werden, welche Folgen die allgegenwärtige Krise für die Konstanzer Gastronomie und Hotellerie haben könnte. Von Panikstimmung, so Daub, könne aber keine Rede sein.
Wenn die SÜDKURIER-Redaktion in einer Zwischenbilanz beurteilen müsste, wo die Gastro-Branche in Konstanz steht, so würde das Urteil so lauten: Preisniveau insgesamt hoch, Qualität der Speisen ordentlich, Service oft verbesserungswürdig. Auffallend ist, dass sich das Preisgefüge bei den Getränken verschoben hat. So steigen die Preise vor allem für offen ausgeschenkten Wein in Höhen, die vor wenigen Jahren unvorstellbar waren. Die Redaktion wird das Gastgewerbe weiterhin aufmerksam beobachten: Bei mehreren hundert Gastronomiebetrieben in Konstanz, Allensbach und auf der Reichenau geht der Stoff zum Probieren und Darüber-Schreiben so schnell nicht aus.
Von Jörg-Peter Rau
Auf den ersten Blick scheint es ein kleiner Skandal. Welterbe wird weggesperrt. Und in der Tat: St. Georg in Oberzell, Herzstück der Reichenauer Kulturlandschaft und kunsthistorisches Kleinod von Weltrang, ist bald nicht mehr ganz so einfach zugänglich und nicht mehr ganz so unkompliziert zu konsumieren. Doch mit der Entscheidung, den Zugang zu St. Georg zu kanalisieren und ein Stückweit auch auf jene Menschen zu beschränken, die sich wirklich für die frühmittelalterlichen Bilder interessieren, ist die Reichenau auf dem richtigen Weg. Der Skandal fällt aus.
Fast scheint es aber, als wäre auf der Reichenau endgültig die Erkenntnis angekommen, in welcher Liga St. Georg tatsächlich spielt. Kunstgeschichte-Studenten aus aller Welt lernen in ihrem Durchgang durch die Epochen die Fresken von St. Georg als einen der spannenden Übergänge kennen zwischen östlich-byzantinischer Buch- und ganz langsam entstehender westlicher Wandmalerei. Die Reichenau wird in einem Atemzug genannt mit den Mosaiken von Ravenna und den Giotto-Wandbildern in der Scrovegni-Kapelle von Padua.
Beiden Kunstschätzen ist gemeinsam, dass man sie sich schon seit sehr langer Zeit nicht mehr einfach so ansehen kann. Ausgerechnet Italien, lange Zeit geschmäht für seinen laxen Umgang mit Kulturgut, hat inzwischen erkannt, dass gerade die empfindlichen Wandmalereien mit allen Mitteln geschützt werden müssen: Kaum eine Technik ist empfindlicher als Fresken für das, was die Menschen der Kunst außer Interesse noch entgegenbringen: Staub und Feuchtigkeit. Die Zahl der Besucher, die pro Tag und Jahr Zutritt zu den großen Kunstschätzen erhalten, ist begrenzt. Die Eintrittspreise sind gesalzen.
Wie bescheiden machen sich da im Vergleich die Pläne auf der Reichenau aus. In den besucherstärksten Monaten und auch da nur zu den Spitzenzeiten kann man St. Georg in diesem Jahr nur noch mit Führung besichtigen. An zehn Monaten im Jahr und selbst in der Hauptsaison für mehrere Stunden am Tag bleibt die Kirche offen für den von eigenem Nachdenken geprägten, stillen, vielleicht auch schnellen und jedenfalls gänzlich kostenlosen Kunstgenuss. Die ursprüngliche und wohl legitimste Nutzung der Kirche als Gotteshaus ist in keiner Weise angetastet. Und die zwei Euro für eine halbstündige Erläuterung sind, wenn die Inhalte einigermaßen kenntnisreich und engagiert vermittelt werden, mehr Schutz- als Teilnahmegebühr.
Natürlich darf das Welterbe, mit viel öffentlichem Geld aufwendig restauriert, nicht vollkommen der öffentlichen Nutzung entzogen werden. Und es wird Touristen geben, die enttäuscht vor der verschlossenen Kirchentür stehen. Sie können zur Führung wiederkommen und einstweilen die neuen Museumsbauten auf der Insel besuchen und sich so auf die erklärungsbedürftigen Bilder vorbereiten. Viele Touristen, die die Kirche bisher nur kurz abgehakt, im schlimmsten Fall als trockenes Plätzchen für das Rucksackvesper missbraucht und die Wandmalereien kaum eines halben Blickes gewürdigt haben, stehen vor der Wahl. Die Gäste müssen sich fragen, ob sie es ernst meinen oder nicht. So mancher wird sich für ja entscheiden und die Reichenau bereicherter verlassen als das bisher der Fall war.
Im Konflikt zwischen Schutz eines 1000 Jahre alten Kulturguts und dem Nutzungsanspruch der Öffentlichkeit hat sich die Reichenau für den Schutz entschieden. Das ist mutig und richtig – nicht nur den Wandbildern zuliebe. Vom schnellen „ich schaue mal in St. Georg rein“-Tourismus hat die von Tagesgästen überflutete Insel nichts. Sie fährt in jeder Hinsicht besser damit, jene über ein Jahrtausend geretteten Schätze über weitere Generationen von Gästen und Einheimischen zu erhalten. Nicht umsonst spricht die Unesco, wie auch die eskalierenden Streitigkeiten um den Brückenbau von Dresden zeigen, ja auch von Welterbe und nicht von Weltattraktion.

Weiter schreibt Rau in seinem Meinungsbeitrag zum Bahnhof: In der Pflicht ist zunächst natürlich die Bahn selbst. Ihre Aufgabe ist es, ihren Kunden eine zeitgemäße Infrastruktur zu bieten. Es sollte aber auch in ihrem unternehmerischen Interesse liegen, es den Menschen so einfach wie möglich zu machen, mit dem Zug zu fahren. Wer den Bahnhof in der größten Stadt eines bedeutenden Tourismusgebiets so ignoriert wie die Bahn, braucht sich über enttäuschte Kunden nicht zu wundern. So ist der Ruf nach öffentlichen Engagement eine Bankrotterklärung: Was würde man sagen, wenn ein Mittelständler von Stadt, Land und Bund fordert, doch endlich einen Zuschuss für eine zeitgemäße Kunden-Lobby lockerzumachen?
Nun liegen bei der Bahn die Dinge leider etwas komplizierter. Mehr denn je herrscht dort das Denken, dass Gewinne im Unternehmen bleiben, die Kosten aber von der Allgemeinheit aufgebracht werden müssen. Vor dem Hintergrund der Daseinsvorsorge mag das nicht grundlegend falsch sein, doch für Konstanz heißt das: Liquidität in der Kasse und Renommierprojekte à la Stuttgart 21 hatten und haben Vorrang. Ja, auch wegen der CDU-Weltstadtambitionen für Stuttgart müssen die Konstanzer so lange auf einen passablen Bahnhof warten. Nun, wo der Börsengang vorerst vom Tisch ist, bietet sich die Chance auf einen Neuanfang.
Ganz so leicht wie sich das der CDU-Abgeordnete Hoffman in seinem an Aktionismus grenzenden Engagement vorstellt, ist der Weg zu einem Bahnhof für das 21. Jahrhundert allerdings nicht. Abgesehen davon, dass er, der Landespolitiker, mit noch lange nicht bewilligten Bundeszuschüssen hausieren geht: Der Wunschzettel wird länger als das Budget. Und nachdem die Bahn Konstanz vom Fernverkehr fast komplett abgehängt hat, wird der Blick zunächst auf marode Bahnhöfe fallen, an denen sogar Intercitys oder ICE halten. Dass da noch ein paar Millionen übrig bleiben, kann man nur hoffen – und sich darauf verlassen, dass Hoffmann mit dem Thema in Stuttgart so lange nervt, bis tatsächlich etwas passiert.
Wenn die Politik am Zug ist, fällt der Blick freilich auch auf Versäumnisse und falsche Versprechungen der Vergangenheit. Viele Bahnhöfe in Baden-Württemberg sind in den 90er-Jahren flottgemacht worden, so in Friedrichshafen oder Ravensburg. Aus Konstanz waren die Forderungen damals offenbar nicht laut genug. Auch die ewigen Wiederholungen, nach denen es „noch in diesem Jahr“ zu einem „echten Durchbruch“ für den Konstanzer Bahnhof komme, haben die Glaubwürdigkeit der Akteure nicht eben befördert. Und schließlich konnte man sich in Konstanz des Eindrucks nicht entziehen, dass das Pflaster auf dem Münsterplatz, die Stelen fürs Fußgänger-Leitsystem oder Tempo 10 auf der Schwaketenstraße höhere politische Priorität genießen als der von tausenden Fahrgästen täglich erlittene Bahnhof.
Aber wer weiß? Vielleicht gelingt es der Politik, die Bahn zu ihrem Glück zu zwingen. Bei einem Unternehmen, das seine Kunden (die Fahrgäste) und seine Auftraggeber (die Länder, die den Regionalverkehr bezahlen) eher als lästige Einmischer sieht und nicht als Herzstücke des eigenen Geschäfts, sind leider Zweifel angebracht. Doch Aufgeben ist der falsche Weg – das haben die Politiker erkannt. Ein schöner Bahnhof für Konstanz wäre eine riesige Chance. Für die Kunden und die Bahn.

Jörg-Peter Rau ist der Leiter der Lokalredaktion. Im Konstanzer Stadtgebiet legt er mehr Kilometer auf dem Rad als im Auto zurück. Er meint:
Man muss es leider sagen: Was erschreckend viele radelnde Zeitgenossen auf Konstanzer Straßen veranstalten, ist haarsträubend und oft geradezu kriminell.
Drei Verstöße sind es vor allem, mit denen die Radler sich selbst, aber auch unbeteiligte Dritte unnötig gefährden: Fahren ohne Licht, Missachtung roter Ampeln, schlechter technischer Zustand des Fahrzeugs. Keinem Autofahrer würde es in den Sinn kommen, bei Dunkelheit auch nur einen Meter auf einer öffentlichen Straße zu fahren, wenn die Scheinwerfer kaputt sind. Viele Radler dagegen haben sogar eine funktionierende Beleuchtung, sind aber zu faul für den geringen Kraft-Mehraufwand, den der Dynamo mit sich bringt. Dass Rotlicht für alle gilt, ist eine Binsenweisheit, die freilich noch nicht überall angekommen scheint. Und wenn es beim Auto selbstverständlich ist, jedes Jahr viele hundert Euro für Kundendienst und Ersatzteile auszugeben, dann sollte doch auch ein minimales Zeit- und Finanzbudget fürs Fahrrad drin sein.
Die Tatsache, dass sie umweltfreundlich unterwegs sind und die Stadt zu einem Gutteil mit eigener Muskelkraft lösen, berechtigt die Radler in keiner Weise dazu, Sonderrechte für sich in Anspruch zu nehmen. Auf der anderen Seite aber müssen die Planer endlich zur Kenntnis nehmen, dass der Fahrradverkehr gemessen an seinem Anteil an allen Fahrten in der Stadt noch immer zu wenig unterstützt wird. Radler sind keine Minderheit linksgrüner Spinner, sondern eine ernstzunehmende Größe.
Die Achtung ihrer Interessen haben die Radler selbst in der Hand. Den Ärger über mangelnde Stellplätze und unsinnige Verkehrsführungen durch Missachtung von Regeln auszugleichen, ist unangemessen, kindisch und gefährlich. Radel-Rowdys haben die Millioneninvestitionen der vergangenen Jahre ins Konstanzer Radwegenetz nicht verdient. Und schlimmer noch: Die dringend nötigen weiteren Verbesserungen setzen sie durch ihr Verhalten aufs Spiel.

Ralf Seuffert ist Sprecher der ADFC-Ortsgruppe Konstanz. Er meint:
Auch in Konstanz ist es in letzter Zeit Mode geworden, die Radfahrer pauschal als Verkehrsrüpel zu diffamieren. Hier muss ich als Vertreter der ADFC-Ortsgruppe in Konstanz entschieden widersprechen:
Natürlich gibt es Radfahrer, die ohne Beleuchtung, zu schnell und rücksichtslos fahren und so ihre Mitmenschen gefährden. Das Fahrrad, und gerade das in den letzten Jahren technisch so sehr aufgerüstete Rad, birgt die Gefahr, den Benutzer zu schnellem Fahren zu verleiten. Dazu kommt aber auch der intensiver gewordene Verkehr allgemein, unsere in allen Bereichen zu Tage tretende Unruhe und Zeitknappheit und eben auch die Tatsache, dass mehr Leute (Gottseidank) mit dem Fahrrad zur Arbeit oder zu Freizeitaktivitäten fährt.
Man sieht sie halt (oder wenn sie keine Beleuchtung am Rad haben, sieht man sie eben nicht), die „bösen“ Radler - würde man die Autofahrer ebenso offensichtlich bei Ihrem Fehlverhalten (Zuschnellfahren, Drängeln, Hupen etc.) erwischen, wäre das Bild der Automobilisten ein anderes. Und auch manche Fußgänger meinen, die Hoheit über die Straße gepachtet zu haben oder sich völlig allein im Straßenverkehr zu bewegen.
Der ADFC ruft seine Mitglieder und alle Radfahrer ständig zu verantwortlichem, vorausschauendem und rücksichtsvollem Fahren auf und kümmert sich zum Beispiel mit seiner jährlichen Lichtaktion auch um die Verkehrstauglichkeit der Räder. Durch Mitarbeit in kommunalen Gremien wie dem AK Rad oder durch Mitgestaltung von Fahrrad-Aktionen für Senioren zusammen mit der Polizei wollen wir demonstrieren, dass wir alle als Verkehrsteilnehmer das Miteinander pflegen müssen und einseitige Schuldzuweisungen nichts bringen.
Wir lassen uns aber nicht nehmen, das Fahrrad als den Verkehr entlastendes, umweltfreundliches sowie gesundheitsförderndes Verkehrsmittel zu propagieren, sind uns aber natürlich bewusst, dass es unter den Radlern auch schwarze Schafe gibt. Aber eben nicht mehr als bei anderen Verkehrsteilnehmern!

Anselm Venedey ist für die Freien Wähler im Konstanzer Gemeinderat. Er meint:
Ist es nicht an der Zeit, Dinge ruhen zu lassen? Muss man denn noch immer in der Vergangenheit nach Unbewältigtem suchen? Kann ein Weg nicht den Namen behalten, an den wir uns gewöhnt haben? Vielleicht kommt eines Tages der Moment, an dem es nicht mehr nötig ist, die Vergangenheit aufzuarbeiten. Wir alle wünschen uns das. Aber immer wieder müssen wir sehen, wie wichtig die Beschäftigung mit ihr noch ist - und wohl noch lange bleiben wird: Da wird ein Bischof wieder in die katholische Kirche aufgenommen, der den Holocaust und die Gaskammern von Auschwitz leugnet. Da bezeichnet ein Präsident der baden-württembergischen Arbeitsgemeinschaft Wasserkraftwerke den Theologen Dietrich Bonhoeffer als „einen ganz gewöhnlichen Landesverräter, der … mit schwerster Bestrafung – nämlich der Todesstrafe - rechnen musste.“ Natürlich protestieren sofort alle aufrechten Demokraten. Aber wie kann es heute noch zu solchen Entgleisungen kommen?
Wir sehen, die Zeit, in der es nicht mehr nötig ist, sich mit der Vergangenheit zu beschäftigen, ist längst nicht gekommen. Und in diesem Hier und Jetzt ist deshalb eben kein Platz für von Scholzens Gedankengut und schon gar kein Ehrenplatz in Form eines nach ihm benannten Weges für diesen und alle anderen Vordenker und Profiteure des deutschen Faschismus, für zynische, menschenverachtende Literaten, die „den Führer“ verherrlichten, die Jugend in einen längst verlorenen Krieg und millionenfachen Tod trieben und aus ihrem Antisemitismus kein Hehl machten. Jeder kann nachlesen, was Wilhelm von Scholz gedacht hat.
Die Diskussion um ihn ist heute so aktuell wie in den vergangenen Jahrzehnten. Und wir müssen froh sein, dass sie nun endlich wieder engagiert, dass sie noch immer engagiert geführt wird. Denn noch immer ist das von ihm beförderte Gedankengut leider in vielen Ebenen der Gesellschaft präsent.
Unsere Stadt braucht keinen Weg, der den Namen dieses Mannes trägt – sie braucht die Auseinandersetzung mit dessen Gedankengut und ihrer eigenen ganzen Geschichte.

Matthias Schillo ist Rechtsanwalt in Potsdam. Er meint:
Wilhelm von Scholz ist ein großer Schriftsteller. Er wird wiederentdeckt werden und Konstanz wird sich wieder zu ihm bekennen. Dass er heute als „Nazidichter“ desavouiert wird, ist eine Konstanzer Spezialität, angerichtet von Funktionären, die sein Werk nicht kennen, es auch nicht kennenlernen wollen und nur am politischen Hype interessiert sind, der sich mit dem Schlagwort „Nazi“ erzeugen lässt.
Als ich im März 2008 beauftragt wurde, die Abräumung des Grabes zu verhindern, habe ich geprüft, ob ich diesen Fall guten Gewissens vertreten kann. Andernfalls macht mir die Arbeit nämlich keinen Spaß. Also habe ich mich in Scholzens Bibliothek gesetzt und angefangen zu lesen. Ich habe bis heute weiter gelesen. Hier mein Fazit: Scholz selbst hat sich als Dichter gesehen und viel von seinem lyrischen Werk gehalten. Ich habe zu Lyrik keinen wirklichen Zugang, sehe aber sehr schöne Bilder und eine klare Sprache. Gehen Sie in den Park an seinem Wohnsitz Schloss Seeheim, und lesen Sie den Epitaph für den gefallenen Sohn. Ein schwäbisches Haiku. Sparsam, präzise und wirkungsvoll.
Gefesselt haben mich die Romane. Drei davon sollte jeder lesen, der heute noch liest. Zunächst: „Der Weg nach Ilok“, 1930 erschienen, vom Verlag 1933 eingezogen, um dem sicheren Verbot zuvorzukommen. Denn das Buch schildert das aus politischen Gründen vom päpstlichen Gesandten ausgelöste Pogrom gegen die jüdische Gemeinde Breslaus. Der Autor lässt keinen Zweifel an der Unmenschlichkeit der Täter und stellt ihr die Menschlichkeit der Opfer gegenüber. Ein prophetisches Buch, nur schwer erträglich für all die späteren Mitläufer. , die von nichts gewusst haben. Als wichtigstes Werk gilt „Perpetua“. , ein Plot für einen großen Film – wenn sich ein Drehbuchschreiber findet. Zur Erholung lesen Sie noch „Unrecht der Liebe“. Scholz kannte seinen Freud – und sich selbst. Jeder von Ihnen, der eines dieser drei Bücher gelesen hat, wird dafür stimmen, dass die Erinnerung an Scholz erhalten bleibt.
Ach ja, er hat Hitler in gereimter Form als Hoffnung Deutschlands begrüßt. Das haben andere auch, die heute noch in Schulbüchern stehen, Straßen ihren Namen geben und Nobelpreise erhielten. Und wer gegen Hitler war, hat vielleicht Stalin gehuldigt. Wollen wir, uns auf die Gnade der späten Geburt berufend, sie alle exorzieren? Und was gewinnen wir dadurch?

Das Wollmatinger Wohngebiet Eichbühl ist von der geplanten Westtangente stark betroffen. Zu Beginn hatte die Planung keinen Lärmschutz für die Anwohner und kein schlüssiges Gesamtkonzept für die Kindlebildstraße vorgesehen. Im Laufe des Verfahrens haben die Eichbühler auf viele ihrer Forderungen nach Verbesserungen verzichtet. Am Ende waren zwei Minimalforderungen übrig geblieben: Zum einen die Erhöhung eines sogenannten Spritzschutzwalls zur Lärmminderung auf einer Länge von etwa 200 Metern, und zum anderen Maßnahmen zur Verhinderung von Schleichverkehr auf der Kindlebildstraße.
Die nun eingereichten Klagen bieten aber auch nochmals die Möglichkeit für Verbesserungen im Sinne von klaren, rechtsverbindlichen Zusagen. Ein Zurückziehen der Klagen ist jederzeit möglich, wenn die Voraussetzungen dafür stimmen.

Andreas Hoffmann ist Landtagsabgeordneter der CDU. Er meint:
Die Westtangente (L220) ist planfestgestellt und das Baugeld liegt bereit. Mit dem L220/B33-Ausbau kann in Wollmatingen eine Verkehrsreduzierung von 28000 Fahrzeugen um rund 10000 Fahrzeuge und auf der Kindlebildstraße von 5600 auf 1900 Fahrzeuge erzielt werden.
Die Bürger-Initiative (BI) Eichbühl hat gut verhandelt und viel erreicht. So zum Beispiel, dass der geplante Lärmschutzwall von 1,5 Meter auf 2,5 Meter angehoben wird. Zugesagt ist auch, dass die Verkehrsberuhigungsmaßnahmen in der Kindlebildstraße sofort und nicht erst nach Baufertigstellung der Landesstraße 220 (L220) angegangen werden.

Im “Standpunkt der Woche” schreibt Redaktionsleiter Jörg-Peter Rau zum Auftakt des Wissenschaftsjahrs 2009:
Die Erwartungen sind hoch. Nicht weniger als ein Ruck durch die ganze Stadt soll von diesem Jahr 2009 ausgehen, dem Konstanzer Wissenschaftsjahr. Nachhaltige Entwicklung statt eines einmaligen Feuerwerks, so haben des die Organisatoren in Rathaus, Schulen, Hochschulen und anderen Bildungseinrichtungen formuliert. Konstanz soll auf dem Weg in die Wissensgesellschaft ein Stück weiterkommen und sich im grenzenlosen Denken üben. Morgen fällt der Startschuss – und damit ist mächtiger ein Auftrag an alle Konstanzer formuliert. Wie schön wäre es, wenn sie ihn beherzt annähmen.
Gewiss, das Angebot, das den Bürgern im eben begonnenen Jahr gemacht wird, ist noch in einigen Teilen unklar. Während jede Volkshochschule ein Semesterprogramm auf die Beine stellen kann, wartet man auf eine Gesamtübersicht zum groß angekündigten Wissenschaftsjahr noch immer. Viele Projekte sind noch von der in der Bildungslandschaft so typischen Antragslyrik geprägt, die bewusste Zusagen scheut. Und etliche der bereits bekannten Veranstaltungen hätten wohl sowieso stattgefunden. Aber: Es sind eben keine fremden Federn, mit denen sich Konstanz schmückt, wenn Angebote von Uni oder Sternwarte Kreuzlingen in das Angebot zum Wissenschaftsjahr finden – es sind eigene Federn, die sich zum bunten Kleid fügen.
Trotz der zeitweise schleppenden Vorbereitung darf und wird das Wissenschaftsjahr kein Rohrkrepierer werden. In einer Zeit, in der Bildung und Wissen wieder als wichtigste Ressourcen erkannt werden, liegt Konstanz mit seiner Initiative mehr als richtig. Während Friedrichshafen den Glanz des mächtig gestarteten Projekts T-City fast stündlich verblassen sieht, hat in Konstanz der Aufbruch erst begonnen. Dass der Charme des Unfertigen im Laufe des Jahres von der Solidität des Erreichten ersetzt wird, bleibt zu hoffen.
Diesen Schritt muss die Stadt freilich gemeinsam tun. Wer immer nur wartet, welche Angebote nun gemacht werden, wer immer nur fordert und sich immer nur unterhalten lassen will, hat die Kernaufgabe noch nicht begriffen. Bildung und Wissenschaft sind keine Einbahnstraße. Zur Bringschuld von Verwaltung und Bildungseinrichtungen gehört zwingend die Holschuld der Menschen dazu. Nur wenn Konstanz eine interessierte, neugierige Stadt ist und auf diesem Weg noch ein Stück vorankommen, gelingt das Wissenschaftsjahr. Und nur dann gibt es kein fragwürdiges Event-Feuerwerk, sondern einen kleinen Flächenbrand, dessen Wärme dann auch Kraft vermittelt. Kraft für Jahre, in denen andere Gewissheiten und Errungenschaften vielleicht ins Wanken kommen.
So appelliert das Wissenschaftsjahr an die Bereitschaft junger und älterer Konstanzer, die breiten Angebote auch wahrzunehmen. Das Jahr ist auch ein Auftrag an Köpfe und Herzen, sich in Bewegung zu setzen und hinter die Grenzen des Alltäglichen zu blicken. Beides, Wissenschaft einerseits und die Grenzen der eigenen Vorstellungskraft andererseits, sind nicht in erster Linie abstrakte Phänomene, sondern zunächst praktischer Alltag – wir begegnen ihnen täglich. Und die Auseinandersetzung mit beidem, Wissenschaft und Grenzen, lohnt sich. Für jeden als Individuum und als Teil eines Gemeinwesens, das einem oft unerbittlichen Fortschrittsdenken unterworfen ist. Wenn nur diese Botschaft am 31. Dezember in Konstanz angekommen ist, hat sich das Wissenschaftsjahr gelohnt.
So gesehen, startet das Wissenschaftsjahr auch gar nicht am Sonntag beim öffentlichen Festakt mit Minister Frankenberg und den engagierten Projektpartnern. Das Wissenschaftsjahr muss in den Köpfen beginnen.
Jochen Schneider ist Beirat im Vorstand der Bürgervereinigung Allmannsdorf-Staad (BAS). Zum Wartehäuschen meint er:
Wo liegt das Problem? Im Rahmen der Neugliederung der Ländebauten in Staad haben die Stadtwerke den kleinen Warteraum in der „Lände“ aufgegeben. Er war lieblos ausgestattet und wenig gepflegt, wurde aber trotzdem genutzt. Nachts war er oft verschlossen, wie übrigens auch die Toiletten. Im Sommer mag das akzeptabel sein, gegebenenfalls auch tagsüber im Winter bei schneller Fährefrequenz, nachts in der kalten Jahreszeit aber nicht. Da schlottern die wartenden Fahrgäste bis zu einer Stunde im eisigen Wind. Hinter ihnen der neue Bistro-Kiosk: Er ist verschlossen. Vor ihnen das Wartehaus der Fährebediensteten: Es ist um diese Zeit leer und verschlossen. Busfahrer kommen zum Beispiel nach ihrer 23.30-Uhr-Pause gestärkt aus dem warmen Betriebsgebäude. Sie haben das verdient, die Fahrgäste aber auch einen geschützten Platz.
Ich habe beobachtet, wie verständnisvolle Busfahrer die sichtbar „Leidenden“ auf eine Runde mit der Linie 1 bis zur nächsten Fähreabfahrt in den warmen Bus einluden. Auch eine nette Lösung. Notwendig ist aber ein kleiner geschützter Raum. Das kann auch ein winterliches Provisorium sein, ein Glashäuschen mit ein oder zwei Bänken neben dem Ländekopf, das im Frühsommer wieder beiseite gestellt wird. Oder: Warum testet der neue Kiosk-Betreiber nicht den Betrieb bis Mitternacht? Wenn es im Bistro gemütlich wäre, nähme sicher der eine oder andere Nachtschwärmer die übernächste Fähre. Die „Möwe“, Café und Bar am Fährehafen in Meersburg, hat ein tragfähiges Konzept über die reine Warte-Problematik hinaus gefunden; in Staad sollte man sich noch was einfallen lassen.
Viele Bürger setzen sich im Rahmen der Agenda 21 und Bürgervereinigung Allmannsdorf-Staad (BAS) gemeinsam mit Segelvereinen, Stadt und Stadtwerken für einen attraktiven Hafenbereich in Staad ein. Die begehbare Mole oder der neue William-Graf-Platz sind Ergebnisse dieser Initiative. Es sollte doch möglich sein, auch eine Lösung für die schlotternden Fahrgäste zu finden.

Silke Rockenstein ist Sprecherin der Stadtwerke Konstanz GmbH. Sie ist anderer Meinung:
Die Stadtwerke Konstanz und die Stadt sind derzeit dabei, den William-Graf-Platz in Staad neu zu gestalten. Agendagruppen und die BAS konnten Wünsche und Anregungen in die Planung mit einbringen. Im Frühjahr 2008 wurden die Ländebauten renoviert. Im Mai wurde das neue Bistro eröffnet, das im Sommer bis spät abends geöffnet hat. Die Wartehalle in Staad hat sich für die Fahrgäste nicht bewährt. Randalierer haben Schäden angerichtet und Obdachlose haben es sich häufig dort gemütlich gemacht, sodass unsere Kunden sich in dem Raum nicht mehr aufhalten wollten. Außerdem haben sich insbesondere Frauen nachts allein in den geschlossenen Räumlichkeiten nicht sicher gefühlt.
Darum haben wir die Wartehalle schon etwa sechs Monate bevor das neue Bistro eröffnet wurde geschlossen. Seitdem haben sich unsere Kunden nicht darüber beschwert. Die Stadtwerke sorgen dafür, dass die Busfahrgäste der Linie 1 in Staad direkt auf die Fähre gehen und sich im Bordbistro oder in den anderen Räumen in angenehmer Atmosphäre ein bisschen erholen können. Keiner muss bibbern und in der Kälte stehen. Lediglich an den Bus, der um 23.15 Uhr am Bahnhof abfährt und Staad um 23.25 Uhr erreicht, gibt es keinen direkten Anschluss. Denn ab 23.05 Uhr legt die Fähre stündlich ab. Wenn man also ausgerechnet in diesen Bus einsteigt, muss man entweder 25 Minuten in Staad warten bis die nächste Fähre um 23.50 Uhr kommt (Abfahrt 0.05 Uhr) oder man fährt einfach noch mal eine Gratis-Runde im geheizten Stadtwerke-Bus.
Viel besser allerdings ist es, einen druckfrischen, kostenlosen und angenehm kleinen Fahrplan der Linie 1 in der Handtasche zu haben, der ebenfalls den Fährefahrplan zeigt. Dann kann die Fahrt mit Bus und Fähre optimal geplant werden. Wenn man abends in Konstanz ist, steigt man dann entweder um 22.45 Uhr am Bahnhof in die 1 oder trinkt noch ein Viertele und startet um 23.50 Uhr. Auch wer mit Auto, Fahrrad oder Taxi unterwegs ist, kann sich mit dem Fahrplan oder im Internet unter www.sw.konstanz.de informieren, wann die nächste Fähre ablegt.

Roland Wallisch, Stadtrat der Freien Grünen Liste, findet die Idee gut:
Ich finde die Idee einer Art Vaporetto-Zubringer zum Kongresshaus auf Klein Venedig sehr gut. Beanspruche für diese Idee übrigens das Copyright, denn ich habe sie vor einiger Zeit selbst schon im Gemeinderat vorgebracht, Andreas Ellegast von der CDU auch. So etwas ist auch möglich: Es gibt in Holland ein Museumsdorf bei Enkhuizen am Westufer des Ijsselmeers. 250000 Besucher pro Jahr schauen sich das Dorf an, von denen keiner sein Auto am Museum abstellt und dafür durch Enkhuizen fahren müsste. Die Besucher kommen alle ausschließlich mit dem Boot. Denn vor Enkhuizen liegt ein Parkplatz mit der Anlegestelle für die Zubringerboote.
Im Übrigen ist die Idee, die Autos vor der Stadt parken zu lassen und die Besucher mit Bussen oder eben auch Booten ins Zentrum zu bringen ja nicht nur für den Kongresshausverkehr richtig. Deshalb hat die Freie Grüne Liste konsequent gegen weitere Parkhäuser in der Innenstadt und für attraktivere Busverbindungen gestimmt. Leider waren wir ziemlich einsam, als wir zum Beispiel gegen die Erweiterung des Lago-Parkhauses waren. Da hätten wir uns Verbündete aus der SPD durchaus gewünscht. Und Herr Schindele, damals noch Neue Linie, vertrat auch immer die verkehrspolitisch alte Linie der autofreundlichen Einkaufsstadt. Wenn er als SPD-Politiker auch beim Einkaufsverkehr zu grünen Ideen findet und seine SPD dabei mitzieht, freut uns das.
Den großen und eher hässlichen Platz unter der Schänzlebrücke, diese Art Klein Los Angeles am Seerhein, zum Parken zu nutzen, zwängt sich geradezu auf. Ein bisschen Infrastruktur dazu, zum Beispiel Kiosk, Stadtinfos oder Fahrradverleih, würde wohl nicht die Welt kosten. Dazu kämen zwei ansprechend gestaltete Fußwege: Der eine zur Schiffsanlegestelle am Seerhein, der andere zum Bus mit Viertelstundentakt in die Innenstadt. So könnte die Innenstadt weiter vom Autoverkehr entlastet werden. Von Great Lakes zum Lago mit dem Bus, von Klein Los Angeles nach Klein Venedig mit dem natürlich umweltfreundlich angetriebenen Vaporetto. (Und nach Klein Paris von mir aus mit dem Auto). Das wünsch ich mir für 2009. Prosit Neujahr!

Walter Pilz, ausscheidender Stadtrat der Freien Wähler, sieht es anders:
Unser geplantes Konzert- und Kongresshaus muss eine erfolgreiche und publikumswirksame Einrichtung werden. Deshalb soll sie durch ein qualitätsvolles Hotel ergänzt werden. Dort werden die Tagungsgaste unterkommen können, von dort aus soll auch das Catering für das Konzert- und Kongresshaus erfolgen. Damit die Besucher und Hotelgäste alle Einrichtungen nutzen können, ist der Bau eines Parkhauses auf Klein-Venedig unerlässlich.
Die Vorstellung, dass alle Nutzer mit dem öffentlichen Nahverkehr anreisen, ist weltfremd, genauso weltfremd wie die Idee, einen Parkplatz am Seerhein zu schaffen und die Zufahrt mit Booten herzustellen. Schon unsere Wetterverhältnisse sind nicht geeignet, eine solche Spinnerei umzusetzen. Man stelle sich Konzertbesucher in Abendgarderobe vor, die bei Wind, Sturm, Gewitter und Regen mit Booten vorfahren und sich dann zum Trocknen in den Konzertsaal begeben. Die kommen nur einmal und nie wieder. Durch die Bootsfahrt wird die An- und Abfahrt zu einem Konzert jeweils um rund 30 Minuten verlängert – zu lange für viele Berufstätige. Der Verzicht auf ein Parkhaus schränkt den Nutzerkreis unnötig ein. Die gleiche Einschränkung erfahren behinderte oder ältere, geh- oder sehbehinderte Mitbürger, die eine Bootsfahrt scheuen. Unser Konzert- und Kongresshaus soll aber für alle gebaut werden, nicht nur für wassersportbegeisterte Abenteurer.
Außerdem ist das Gelände vor dem Klein-Venedig topografisch für eine solche Nutzung nicht ganzjährig geeignet: Eine Fahrrinne oder ein ellenlanger Steg müsste gebaut werden. Dieses halte ich aus wasserrechtlichen Gründen für bedenklich. Was wir brauchen, ist ein vernünftiger Mix aus mehreren Verkehrskomponenten. Hierzu gehört eine optimale Anbindung durch Bahn und Bus und auch ein Parkhaus für Pkw. Dann wird das Konzert- und Kongresshaus auch ein großer Erfolg und neben den von allen gewünschten kulturellen Veranstaltungen und wirtschaftlich erfolgreichen Tagungen auch neue Arbeitsplätze schaffen und bestehende sichern. Das braucht Konstanz dringend.